Nein, Ihre Lieblingsfarbe ist nicht Ihre Markenfarbe
- Helene Clara Gamper

- 5. Jan.
- 3 Min. Lesezeit
„Ich finde Blau schön, können wir das nicht nehmen?“ – diesen Satz hört man in Briefings zur Branding-Entwicklung häufiger, als man denkt. Farben sind emotional, sie wecken Erinnerungen und Sympathien. Deshalb bringt jeder Entscheidungsträger persönliche Vorlieben mit an den Tisch.
Doch genau hier liegt der Fehler: Farben im Branding sind keine Geschmacksfrage. Sie sind ein strategisches Instrument, das auf Psychologie, Zielgruppenwahrnehmung und Markendifferenzierung basiert. Wer sich bei der Farbwahl nur auf persönliche Vorlieben verlässt, verschenkt wertvolles Potenzial – und riskiert, dass die Marke am Markt falsch interpretiert oder gar missverstanden wird (so wie es beispielsweise bei unserem Kunden cubile der Fall war, bevor er sich an HCG corporate designs gewandt hatte).

Warum Farben mehr sind als Dekoration
Farben sind einer der stärksten visuellen Reize. Innerhalb von Sekunden entscheiden Menschen, ob sie etwas sympathisch, vertrauenswürdig oder professionell finden – und Farben spielen dabei eine entscheidende Rolle.
„Menschen bilden sich innerhalb von 90 Sekunden ein Urteil über ein Produkt oder eine Marke. Zwischen 62 % und 90 % dieser Einschätzung beruhen allein auf der Farbwirkung.“ – Khattak, N., Khan, N. & Shah, A. (2018): Color Psychology in Marketing. Journal of Business and Tourism, Vol. 4(1), S. 13–21.
Das heißt: Bevor jemand Ihr Logo liest oder Ihre Botschaft versteht, haben Farben längst die Stimmung bestimmt.
Eine falsche Farbwahl kann unbewusst negative Assoziationen hervorrufen. Auch auf regionale und kulturelle beziehungsweise religiöse Besonderheiten sollte in Anbetracht der Zielgruppe geachtet werden. Mehr dazu gibt’s in der Tipp-Sektion von HCG corporate designs mit dem Titel „Die besten Farben für Logo und Branding“.
Farbpsychologie: Was Farben auslösen
Jede Farbe trägt bestimmte Bedeutungen, die kulturabhängig variieren können, aber im DACH-Raum weitgehend ähnlich interpretiert werden:
Rot: Energie, Dynamik, Leidenschaft, aber auch Dringlichkeit und Warnung
Blau: Vertrauen, Stabilität, Seriosität – beliebt bei Banken, Versicherungen, Tech
Grün: Natur, Nachhaltigkeit, Wachstum, Ruhe – oft bei ökologischen Marken
Gelb: Optimismus, Kreativität, Aufmerksamkeit – wirkt freundlich, aber nicht immer seriös
Schwarz: Eleganz, Luxus, Exklusivität – allerdings auch Distanz und Strenge
Weiß: Klarheit, Reinheit, Minimalismus – schafft Raum und Ruhe
Darüber hinaus lösen auch diverse Farbmischungen unterschiedliche Emotionen aus – je nachdem, wie viel Schwarz oder Weiß in eine Farbe gemischt wird. Mehr über die Wirkung von Farbkombinationen finden Sie in der Tipp-Sektion von HCG corporate designs. Für noch tiefgreifendere psychologische Details und praktische Anschauungsbeispiele haben wir eine eigene Masterclass entwickelt und produziert.
Die Frage ist also nicht: „Welche Farbe gefällt uns?“ – sondern: „Welche Botschaft wollen wir bei unserer Zielgruppe auslösen?“
Deshalb erstellen wir bei HCG corporate designs schon sehr früh im Branding-Prozess eine Wettbewerbsanalyse hinsichtlich der Farben. Für unseren Kunden Immobilien Praxis Köll sah die Konkurrenz-Farbanalyse so aus:

Für unseren Kunden S11 System sah die Farbanalyse der Konkurrenz hingegen so aus:

Zielgruppen-Orientierung statt Ego-Design
Ihre Lieblingsfarbe mag Sie glücklich machen – aber sie sagt nichts darüber, wie Ihre Kunden Ihre Marke wahrnehmen. Wenn ein Team aus fünf Führungskräften fünf verschiedene Farbvorlieben mitbringt, entsteht Chaos. Stattdessen braucht es eine außenorientierte Perspektive: Welche Emotionen und Werte sollen transportiert werden, und welche Farben passen dazu?
Konsistenz ist der Schlüssel
Eine Marke entfaltet ihre Wirkung erst, wenn sie konsistent auftritt. Eine klar definierte Farbpalette (meist bestehend aus einer Primärfarbe, zwei bis drei Sekundärfarben und Akzentfarben) ist die Basis für Wiedererkennung. Werden Farben zu beliebig gewählt oder ständig gewechselt, geht dieser Effekt verloren.
Raster, Farbdefinitionen (wie zum Beispiel HEX, CMYK, Pantone) und klare Regeln im Corporate Design-Handbuch stellen sicher, dass Ihre Marke überall gleich wahrgenommen wird – ob auf der Website, in Social Media oder in Printbroschüren. Genau diese Wiederholung baut Vertrauen auf und verankert die Marke im Gedächtnis.

Häufige Fehler in der Praxis:
Ego-getriebene Entscheidungen: Farben werden nach persönlichem Geschmack ausgewählt, nicht nach Strategie.
Zu viele Farben: Wenn jedes Medium eine andere Farbwelt nutzt, wirkt die Marke unruhig und inkonsistent.
Fehlende Regeln: Ohne definierte Farbwerte entstehen Abweichungen, die das Markenbild verwässern.
Fazit
Farben sind keine Dekoration, sondern ein zentrales Werkzeug der Markenführung. Die Wahl der richtigen Farbpalette ist ein strategischer Prozess, der sich an Zielgruppen, Marktpositionierung und Psychologie orientiert – nicht an persönlichen Vorlieben. Ihre Lieblingsfarbe hat vielleicht einen Platz in Ihrem Zuhause. In Ihrer Marke aber zählt, was Ihre Kunden überzeugt.

Möchten Sie herausfinden, welche Farben Ihre Zielgruppe wirklich ansprechen – und wie Sie mit einer klaren Farbwelt Vertrauen und Wiedererkennbarkeit schaffen? Wir entwickeln gemeinsam mit Ihnen eine Markenfarbpalette, die nicht nur gefällt, sondern überzeugt. Sprechen Sie uns gerne an.



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