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Serifenschrift vs. Serifenlos – der Streit, der mehr über Ihre Marke verrät als Sie denken

  • Autorenbild: Helene Clara Gamper
    Helene Clara Gamper
  • vor 6 Stunden
  • 4 Min. Lesezeit

„Wirkt das nicht zu altmodisch?“ oder „Sans Serif ist doch viel moderner!“ – Diskussionen über Schriftarten sind in Branding- und Designprojekten an der Tagesordnung. Oft werden sie als reine Geschmacksfrage abgetan, doch tatsächlich steckt weit mehr dahinter.


Typografie ist Markenführung in Reinform. Schriften beeinflussen, wie Ihre Marke wahrgenommen wird – ob als seriös, modern, verspielt oder exklusiv. Die Entscheidung zwischen Serifenschrift und serifenloser Schrift ist deshalb keine Nebensache, sondern eine strategische Weichenstellung.


Brand Designer Helene Clara Gamper mit Brille am Tisch, begutachtet bunte Blätter mit Wörtern wie "professionell" und "sympathisch". Büroatmosphäre, entspannte Stimmung.


Was sind Serifen überhaupt?


Serifen sind kleine „Füßchen“ oder Striche an den Enden von Buchstaben. Sie stammen ursprünglich aus der Steinmetzkunst und haben sich in klassischen Druckschriften etabliert. Bekannte Beispiele sind Times New Roman oder Garamond. Serifenlose Schriften (Sans Serif) dagegen verzichten auf diese Verzierungen und wirken dadurch klarer und reduzierter – Beispiele sind Helvetica, Arial oder moderne Corporate Fonts wie Proxima Nova (unsere Hausschrift bei Mengentexten für HCG corporate designs).


Serifenschriften: Tradition & Vertrauen


Serifenschriften vermitteln seit Jahrhunderten Seriosität, Tradition und Stabilität. Sie werden oft mit etablierten Institutionen, Literatur oder dem klassischen Journalismus assoziiert.


  • Lesbarkeit: Im Print gelten Serifenschriften als leichter lesbar, da die Serifen das Auge durch den Text „führen“. Ein gutes Beispiel ist unser Kundenprojekt Blickpunkt LKW & BUS – hier haben wir bewusst eine Serifenschrift eingesetzt, um die Lesefreundlichkeit in den langen Fachartikeln zu erhöhen und gleichzeitig ein Gefühl von Verlässlichkeit und Fachkompetenz zu transportieren.

  • Branchen-Logik: Finanzdienstleister, Universitäten, Verlage oder Anwaltskanzleien nutzen oft Serifenschriften, weil sie Vertrauen und Ernsthaftigkeit transportieren.

  • Psychologische Wirkung: Sie wirken bodenständig, verlässlich und kompetent – ideal, wenn Ihre Marke Sicherheit und Beständigkeit ausstrahlen soll.


Nahaufnahme von Buchstabenschablonen mit Serifen in Schwarz-Weiß auf grauem Hintergrund. Verschiedene Schriftgrößen und -formen übereinander gestapelt.

Serifenlose Schriften: Modernität & Klarheit


Serifenlose Schriften stehen für Modernität, Minimalismus und digitale Klarheit. Sie haben in den letzten Jahrzehnten stark an Popularität gewonnen – vor allem durch den Siegeszug digitaler Medien.


  • Lesbarkeit digital: Auf Bildschirmen und mobilen Geräten sind Sans-Serif-Schriften oft besser erkennbar.

  • Branchen-Logik: Tech-Unternehmen, Start-ups und Lifestyle-Marken bevorzugen serifenlose Typografie, um Dynamik und Fortschritt zu signalisieren. Ein Beispiel aus unserer Praxis: Für S11 System – unser Branding- und Webdesign-Projekt für Business Coaching – haben wir eine serifenlose Schrift genutzt, um die Marke frisch, klar und modern zu positionieren.


Psychologische Wirkung: Sie wirken modern, zugänglich und frisch – perfekt für Marken, die sich innovativ und unkompliziert präsentieren wollen.


Bunte Schaumstoff-Sans-Serif-Buchstaben stapeln sich zufällig auf einer Holzoberfläche. Farben sind rot, grün, gelb und weiß. Verspielte, fröhliche Stimmung.


Lesbarkeit: Was sagt die Forschung?


Die Frage, welche Schriftart sich schneller oder leichter lesen lässt, wird seit Jahrzehnten diskutiert – und die Antworten fallen unterschiedlich aus.


  • Studienlage: Forschungsergebnisse zeigen kein einheitliches Bild. Manche Untersuchungen belegen Vorteile für Sans Serif auf Bildschirmen, andere Vorteile für Serif im Print. Die Nielsen Norman Group stellte in einer groß angelegten Studie fest, dass Unterschiede in der Lesegeschwindigkeit stark vom konkreten Font abhängen – in Einzelfällen bis zu 35 %.

  • Erfahrungswissen: In den Typographie-Fortbildungen des renommierten Berliner Typographen Wolfgang Beinert haben wir gelernt, dass sich Serifenschriften mindestens 3,8 % schneller lesen lassen als serifenlose Schriften.


Fazit: Wie man sieht, gibt es keine allgemeingültige Wahrheit. Die Lesbarkeit hängt von Medium, Schriftgröße, Satzspiegel, Kontrast und Zielgruppe ab. Am Ende entscheidet der Kontext und das Zusammenspiel mehrerer Faktoren – nicht allein die Frage „Serif oder Sans Serif?“.



Print vs. Digital – früher und heute


Früher galt die Faustregel: Serifen für Print, Sans Serif für Digital. Und lange Zeit hatte das durchaus seine Berechtigung. Alte Screens mit niedriger Auflösung stellten Serifen unsauber dar, während serifenlose Schriften klarer wirkten.


Person hält ein Tablet mit Lkw-Berichten in einer App. Wohnzimmer im Hintergrund, grüne Pflanze, Fenster mit Tageslicht.
Die serifenlose Schrift "Akko Pro" in der App für unseren Verlagskunden Blickpunkt LKW & BUS

Heute hat sich das Bild verändert: Hochauflösende Displays, moderne Rendering-Technologien und professionell entwickelte Fonts machen es problemlos möglich, auch Serifenschriften digital einzusetzen – sofern die Schrift hochwertig gestaltet ist. Viele Websites und Apps nutzen Serif bewusst, um Eleganz und Differenzierung zu transportieren.


Im Print hingegen haben Serifenschriften weiterhin klare Vorteile – vor allem bei langen Fließtexten. Die kleinen „Füßchen“ bilden eine imaginäre Linie, auf der der Text gewissermaßen sitzt. Das Auge findet dadurch Halt und wird unbewusst durch die Zeilen geführt – ein Effekt, der die Lesbarkeit auf Papier deutlich verbessert.


Zeitschriften-Doppelseite mit bunten VW-Bussen auf einer Straße. Textüberschrift: Bulli-Treffen am Salzburgring. Helle, fröhliche Stimmung.
Die Serifenschrift "Marbach" kommt in Fließtexten (vorrangig bei langen Printartikeln) zum Einsatz. Kunde: Blickpunkt LKW & BUS


Mischformen & Systemschriften

Moderne Brandings beschränken sich selten auf nur einen Font-Stil. Häufig werden Serifenschriften für Headlines (stark, prägnant) und Sans Serif für Fließtexte (klar, gut lesbar) kombiniert. Dieses Zusammenspiel kann eine Marke gleichzeitig seriös und modern wirken lassen.


Auch Custom Fonts (maßgeschneiderte Hausschriften) sind eine tolle Sache. Sie bieten eine einmalige Typografie, die Ihre Marke unverwechselbar macht – ein Investment, das sich besonders bei großen Marken lohnt.



Raster & Konsistenz

Doch egal, welche Schriftart gewählt wird: Konsistenz ist entscheidend. Schriftgrößen, Abstände und Hierarchien sollten im Corporate Design-Handbuch genau definiert werden. Durch Raster und Gestaltungsrichtlinien bleibt die Typografie über alle Kanäle hinweg einheitlich – ein Schlüsselfaktor für Professionalität und Vertrauen.



Fazit

Die Wahl zwischen Serifenschrift und serifenloser Schrift ist keine Nebensache. Sie entscheidet maßgeblich darüber, wie Ihre Marke wahrgenommen wird – traditionell und vertrauenswürdig oder modern und dynamisch. Praxisnahe Anschauungsbeispiele über die Macht der Typographie finden Sie in der Tipp-Sektion von HCG corporate designs.


Forschung und Erfahrungswerte zeigen, dass es keine universelle Wahrheit gibt: Mal schneiden Serifenschriften besser ab, mal Sans Serif. Entscheidend ist der Kontext, das Medium und die Markenstrategie. Es gibt also nicht die „richtige“ oder „falsche“ Schrift – nur die passende für Ihre Marke und Ihre Zielgruppe.


Brand Designer Helene Clara Gamper in schwarzem Kleid lehnt sich lächelnd über Tisch mit Papieren und Pantone-Farbfächern. Heller Hintergrund, entspannte Atmosphäre.

Möchten Sie wissen, welche Typografie Ihre Marke optimal repräsentiert – und wie Sie mit Schriftarten Vertrauen, Wiedererkennbarkeit und Professionalität steigern können? Wir beraten Sie bei der Entwicklung einer individuellen Typografie-Strategie im Rahmen Ihrer Branding-Entwicklung, die perfekt zu Ihrer Markenidentität passt.

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