top of page

Blog

Above the Fold – das Märchen aus den 90ern?

  • 2. Juli
  • 3 Min. Lesezeit

„Alles muss Above the Fold!“ – dieser Satz geistert noch immer durch viele Marketingabteilungen. Gemeint ist: Alle wichtigen Inhalte sollen sofort sichtbar sein, ohne dass Nutzer scrollen müssen. Der Begriff stammt aus der Print-Welt, wo Zeitungen die wichtigsten Schlagzeilen in der oberen Hälfte der Titelseite („above the fold“) platzierten, weil gefaltete Zeitungen im Regal so präsentiert wurden. Doch ist diese Regel heute im digitalen Kontext überhaupt noch relevant? Oder halten wir uns hier an ein Märchen aus den 90ern?



Ursprung des Mythos


In den frühen Jahren des Internets, als Nutzer noch wenig Erfahrung mit Scrollen hatten, war der Gedanke nachvollziehbar: Nur das, was sofort sichtbar ist, wird wahrgenommen. Websites wurden wie starre Zeitungsseiten gedacht. Scrollen galt als Hürde, nicht als selbstverständliche Interaktion.


Gefaltete Zeitungen liegen übereinander. Schwarz-weißer Text ist sichtbar. Die Szene wirkt ruhig und organisiert.

Heute ist das völlig anders: Durch Smartphones, Social Media und Apps scrollen Nutzer täglich stundenlang. Scrollen ist nicht mehr die Ausnahme, sondern die Norm. Trotzdem hält sich der Mythos hartnäckig – oft aus Unsicherheit oder Traditionsdenken.



Was sagt die Forschung?


Mehrere Studien haben gezeigt, dass das Above-the-Fold-Dogma längst überholt ist:


  • Nielsen Norman Group (2018): Nutzer scrollen zuverlässig, wenn sie einen klaren Anreiz dazu haben. Der Unterschied in der Aufmerksamkeit zwischen Above und Below the Fold ist deutlich geringer, als lange behauptet wurde. (Quelle: NN/g – Scrolling and Attention)

  • Chartbeat (2013, Analyse von 2 Mrd. Visits): 66 % der Aufmerksamkeit von Nutzern entfällt auf Inhalte below the fold. Nutzer hören also keineswegs nach dem ersten Screen auf. (Quelle: Time Magazine – What You Think You Know About the Web Is Wrong – Chartbeat-Daten)


„Die Angst vor dem Scrollen ist überholt. Nutzer bewegen sich heute selbstverständlich durch digitale Inhalte – entscheidend ist, dass das Design klare Signale setzt." — Jakob Nielsen, Nielsen Norman Group

Die Quintessenz: Inhalte unterhalb des sichtbaren Bereichs werden sehr wohl wahrgenommen – vorausgesetzt, das Design gibt klare Signale, dass es sich lohnt weiterzuscrollen.


Computer und Laptop auf Schreibtisch, zeigen Webseite mit "Healthy Pets. Happy Owners." Hintergrund: Regal mit Büchern. Stimmung: professionell, freundlich.


Above the Fold – was wirklich wichtig ist


Das bedeutet jedoch nicht, dass der Bereich oberhalb des Folds unwichtig ist. Er ist immer noch der erste Eindruck – und der entscheidet, ob Nutzer bleiben oder abspringen.


  • Above the Fold sollte klar machen: Wer sind Sie? Was bieten Sie? Warum sollte man weiter scrollen?

  • Keine Überfrachtung: Versuchen Sie nicht, alle Botschaften in den ersten Screen zu quetschen. Das führt zu Unübersichtlichkeit. Genau deshalb machen wir bei HCG corporate designs etwas ganz Wichtiges: Wir fragen unsere Kunden ganz konkret, was die Nr. 1-Priorität bzw. der wichtigste Nutzen ihrer Website ist. Soll ein Termin vereinbart werden? Ein Produkt gekauft? Ein Whitepaper heruntergeladen? Nur wenn das klar ist, kann auch das Design im ersten Sichtbereich die richtige Botschaft transportieren.

  • Starker visueller Anker: Ein Hero-Image, ein prägnantes Value Proposition Statement oder ein klarer Call-to-Action gehören hier hin.


Alles Weitere darf und sollte im Verlauf der Seite erzählt werden – Schritt für Schritt, gut strukturiert, dramaturgisch aufgebaut. Aber auch hier gilt: Je weiter oben, desto wichtiger. Klare Vorteile des Produkts bzw. der Dienstleistung sollten zumindest beim zweiten oder dritten vollflächigen Scrollabschnitt sichtbar sein. Hier sind gute Nutzerführung und packendes Storytelling Gold wert.



Nutzerverhalten heute: Scrollen ist Gewohnheit

Durch Social-Media-Feeds (Instagram, LinkedIn, TikTok) sind Nutzer daran gewöhnt, mit einer simplen Fingerbewegung Inhalte nachzuladen. Die „Angst vor dem Scrollen“ existiert schlicht nicht mehr. Wichtiger ist:


  • Klarer visueller Hinweis (z. B. ein Pfeil oder angeschnittene Elemente), dass es Inhalte unterhalb gibt.

  • Storytelling-Logik: Nutzer wollen geführt werden – durch Text, Bilder, Animationen oder Interaktionen.

  • Ladezeit: Wenn Scrolling mit Ladepausen verbunden ist, springen Nutzer ab. Deshalb ist Performance ein entscheidender Faktor.


Außerdem haben die meisten Menschen aufgrund von Social Media gelernt, so lange weiterzuscrollen, wie es sich eben für sie lohnt. Ein Grund mehr darauf zu achten, dass sich der Besuch auf Ihrer Website für Ihre Zielgruppe lohnt.


iMac auf Schreibtisch zeigt Website "Candy Cloud" mit rosa Hintergrund. Daneben Regale mit Büchern, Pflanzen und Büroartikeln. Helle Raumbeleuchtung.


Best Practices für modernes Above/Below-the-Fold-Design

  1. Prioritäten setzen: Zeigen Sie sofort, was Sie ausmacht – und sparen Sie Details für unten auf.

  2. Visuelle Hierarchie nutzen: Überschrift, Subheadline, Bild, CTA. Mehr braucht der erste Eindruck oft nicht.

  3. Inhalte staffeln: Bauen Sie Ihre Story Schritt für Schritt auf, statt alles auf einmal zu präsentieren.

  4. Kontext beachten: Auf Landingpages für Ads ist ein starker Above-the-Fold-CTA entscheidend. Auf Image- oder Content-Seiten darf die Botschaft länger entwickelt werden.

  5. Testing einsetzen: Heatmaps, Bildschirmaufnahmen oder Eye Tracking Systeme können zeigen, wie weit Nutzer wirklich scrollen – und wo sie aussteigen.



Fazit

„Alles muss Above the Fold“ ist ein überholtes Märchen aus den 90ern. Richtig ist: Der Bereich oberhalb des Folds ist entscheidend für den ersten Eindruck und die Motivation zum Scrollen. Falsch ist: Alle Inhalte dort unterbringen zu wollen. Gutes Webdesign denkt nicht in Falten, sondern in Nutzerwegen. Es geht darum, eine klare Story zu erzählen – und die Nutzer Schritt für Schritt mitzunehmen.


Fragen Sie sich, ob Ihre Website den richtigen ersten Eindruck macht – und ob sie Ihre Nutzer wirklich zum Scrollen und Handeln einlädt? Wir bei HCG corporate designs analysieren Ihre Website mit Blick auf Nutzerführung, Content-Struktur und Conversion-Potenzial – und entwickeln ein Design, das jenseits veralteter Mythen funktioniert. Kontaktieren Sie uns gerne hier.


Frau in Büro, lächelnd am Schreibtisch mit Laptop, Dokumenten und Brille. Helle, freundliche Umgebung mit Bücherregal im Hintergrund.

6 Kommentare

Mit 0 von 5 Sternen bewertet.
Noch keine Ratings

Rating hinzufügen
Leonis
06. Juli

Thank you good post !

Gefällt mir
Gast
09. Juli
Antwort an

glad you liked it

Gefällt mir

Gast
06. Juli
Mit 5 von 5 Sternen bewertet.

Cool post

Gefällt mir
Gast
09. Juli
Antwort an

thanks

Gefällt mir

Herold
06. Juli
Mit 5 von 5 Sternen bewertet.

Hi good post !

Gefällt mir
Gast
09. Juli
Antwort an

great to hear

Gefällt mir

Newsletter

Lassen Sie sich inspirieren von aktuellen Kundenprojekten, News aus dem Design-Blog und bekommen Sie exklusiven Zugang zu Goodies und Aktionen, die ausschließlich Newsletter-Empfängern vorbehalten sind. Alle zwei Monate frei Mailbox - jetzt anmelden, damit Sie nichts mehr verpassen.

bottom of page