DIE MACHT DER TYPOGRAPHIE

Schriften dienen nicht nur der Informationsvermittlung. Nein, sie sind auch ein nicht zu unterschätzendes Gestaltungselement. Die Wahl der Schrift hat einen starken Einfluss auf den „Look and Feel“ eines Layouts bzw. eines Designs und unterstützt oder zerstört somit eine Werbebotschaft.

 

Hier sehen Sie drei unterschiedliche Inserat-Sets. Jedes Set hat das exakt gleiche Foto und den exakt gleichen Text. Lediglich die Schriftgestaltung ist unterschiedlich. Das Inserat wirkt jedes Mal anders, Sie werden überrascht sein!

 

Die Inserate, Texte und Werbebotschaften wurden für diese Beispiele frei erfunden.

 

BEISPIEL # 1: BUTTER

 

DISKONTER-WARE

Dieses Inserat bewirbt Butter in einem Lebensmittel-Diskonter. Die wichtigste Information ist der Preis, der mit Schlagschatten (wie in der „guten alten Zeit“) und einem schräg gestellten Störer in rot-gelben Signalfarben versehen ist. Dieses Layout schreit regelrecht „kauf mich, ich bin billig“. Perfekt für den Diskonter.

 

Schriften von oben nach unten: Arial black, Arial bold italic

 

SUPERMARKT IM MITTLEREN PREISSEGMENT

Die Typographie in diesem Inserat hebt die Butter von der Diskonter-Ware hinauf in den Supermarkt im mittleren Preissegment. Der Fokus liegt zunächst auf der Überschrift „Beste Butter“, dann auf dem Preis, der zwar immer noch durch einen Störer hervorgehoben ist, jedoch wesentlich dezenter und angenehmer auf das Auge wirkt. Die Handschrift „besonders streichfähig“ bringt etwas Harmonie rein, ist aber eine gewöhnliche Handschrift, die nicht an exklusive, teure Ware erinnert.

 

Schriften von oben nach unten: ArmWrestler bold, Papioscript semi-condensed italic, San Francisco Text regular, San Francisco Text bold

 

GOURMET-GESCHÄFT

Dieses Layout passt perfekt zu einem etwas höher-preisigen Delikatessen-Geschäft. Elegante Großbuchstaben mit manuell optimiertem Kerning harmonieren ausgesprochen gut mit der opulenten, ausladenden Handschrift „besonders streichfähig“. Das Foto wird nicht von der Typographie übertönt, die Schrift dient als subtiler Begleiter des Bildes. Der Preis fällt erst auf den zweiten Hingucker auf, weil der Preis hier auch keine große Rolle spielt.

 

Schriften von oben nach unten: Abraham Lincoln regular, Windsong regular, San Francisco Text italic

 

BEISPIEL #2: STADTHOTEL IN BERLIN

 

STUDENTENBUDE

Dieses Layout sieht durch die Schrift aus wie eine Mischung aus schlechtem Halloween-Scherz und Studentenbude, die stundenweise vermietet werden soll. Mit einem guten 3-Stern-Mittelklasse-Hotel im Herzen Berlins hat das wenig zu tun.

 

Schriften von oben nach unten: 888 Torn Sound regular, Comic Neue Angular bold

 

AUS DER MODE GEKOMMEN

Die Schrift für den Hotelnamen in diesem Beispiel wirkt ziemlich altbacken, als wäre das Hotel in den 70er Jahren hängen geblieben. Dieses Sujet wird wohl auch kaum Gäste anlocken.

 

Schriften von oben nach unten: Abalaris regular, Abadi MT condensed regular

 

KLASSISCH-KONSERVATIV

Dieses Layout spricht eine betuchte Kundschaft an, die mind. 45 Jahre alt ist. Die Typographie lässt das Sujet zwar etwas konservativ wirken, dennoch nicht altbacken. Klassisch-konservativ, erinnert etwas an Grand-Hotel-Sujets.

 

Schriften von oben nach unten: Dossel Lane regular, Lato light

 

MODERNES LUXUSHOTEL

Weit spazionierte Majuskeln geben diesem Layout eine zeitlose Optik. Die Überschrift steht stark im Raum. Die moderne Schrift für den Claim strahlt Leichtigkeit und Optimismus aus und erzeugt Sympathie. Eine schöne Harmonie in der Schriftenmischung, perfekt eingebettet in das Hintergrundbild, geben diesem Design Raum zum Atmen und wirken edel und luxuriös.

 

Schriften von oben nach unten: Habibi regular, Lato light italic

 

BEISPIEL #3: LUXUS-UHREN

 

NICHT EINMAL GUT GENUG FÜR DEN DISKONTER

In diesem Sujet sollen Luxus-Uhren beworben werden. Allerdings machen sowohl die Schriftenauswahl als auch die Schriftenmischung diesen Luxus-Touch komplett zunichte. Zu außergewöhnliche Schriften, die miteinander konkurrieren anstatt zu harmonieren, passen auch nicht zum beworbenen Produkt. Die Typographie bringt Unruhe in den Weißraum neben den Uhren. Dieses Layout wirkt billig und würde nicht einmal die Markteinführung in einem Diskonter bestehen.

 

Schriften von oben nach unten: Moonshiner Oblique Lines, Epochic regular

BLING BLING FÜR DEN SUPERMARKT

Dieses Sujet könnte gut für einen Supermarkt funktionieren, der den Uhren etwas „Bling Bling“-Feeling verleihen möchte. Mit der allseits bekannten Copperlate Gothic versucht man hier zwanghaft einen gewissen Luxus-Feel reinzubekommen. Leider geht der Schuss nach hinten los. Die Uhr würde in einem Juwelier-Geschäft wahrscheinlich niemanden vom Hocker hauen. Zu altbacken, zu gewöhnlich, zu „Möchtegern-Luxus“ (vor allem durch die Kapitälchen bei Copperlate Gothic). Für eine gewisse Käuferschicht in Supermarkt-Regalen könnte dieses Sujet funktionieren, das war‘s dann aber auch schon.

 

Schriften von oben nach unten: Copperlate Gothic regular, Tottingham regular

 

LUXURIÖS, ELEGANT UND ZEITLOS - FÜR DEN JUWELIER

Bei diesem Layout bilden Produktbild und Typographie eine perfekte Symbiose. Der typografische Fokus liegt auf „Time & Luxury“, eine moderne, leicht gebrochene Schrift vermittelt Beständigkeit. Das geschwungene „&“-Zeichen umschlingt und verbindet „Time“ und „Luxury“ auf raffinierte Art und Weise. Es gibt einen schönen Weißraum, ein dezentes Trennelement und darunter den Claim in einer klassisch- eleganten Schrift mit hohem Kontrast sowie edlen Serifen. Das Sujet wirkt stimmig und harmonisch und passt perfekt in ein Juwelier-Geschäft.

 

Schriften von oben nach unten: Tergo regular, Questa grande regular

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Helene Clara Gamper

Wie Sie sehen, hat die Wahl der Schriften einen sehr großen Einfluss auf den gesamten „Look and Feel“. Für die Diskontbutter zum Beispiel würde man sicher nicht viel ausgeben wollen, der Preis ist das wichtigste Entscheidungskriterium. Das Inserat für die Gourmet-Butter hingegen transportiert eine völlig andere Botschaft, obwohl Wortlaut und Foto identisch zum Diskonter-Inserat sind. Für die Gourmet- Butter würden wir alle wohl locker drei oder vier Euro hinlegen (vielleicht sogar mehr).

 

Der Einsatz von Schriften will also gut überlegt sein, denn er kann einem Layout bzw. einer Werbebotschaft die Krone aufsetzen oder alles komplett zerstören. In diesem Sinne: Gehen Sie sorgsam mit Typographie um, sie ist mächtiger, als Sie dachten!

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Sie wollen mehr über Typographie erfahren? Dann sehen Sie sich hier die Geheimnisse der Schriften genauer an.

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