PAPIERAUSWAHL FÜR MAGAZINE

Digitalisierung, Smartphones, WhatsApp & Co. beschleunigen unsere Welt. Trotzdem - oder gerade deshalb - sind haptische Erlebnisse gefragter denn je. Für Verlage bedeutet dies ein besonderes Augenmerk auf das Papier der einzelnen Magazintitel zu legen. Papier ist nicht tot - ganz im Gegenteil.

 

Auf dieser Seite lesen Sie ein Interview, das ich mit Uwe Bräutigam, Geschäftsführer der Barometer Verlagsgesellschaft mbH in Leipzig/Deutschland, zum Thema Papierauswahl für Magazine führte. Im Anschluss daran lesen Sie mehr über meine persönlichen Erfahrungen zu diesem Thema.

 

INTERVIEW MIT UWE BRÄUTIGAM

 

HCG: Warum haben Sie sich dazu entschieden „Dental Barometer“ einem Facelift zu unterziehen?

 

Uwe Bräutigam: Die Zahnmediziner in Deutschland sind eher konservativ und Veränderungen werden nur zögerlich angenommen. Trotz alledem ist es notwendig sich den Marktgegebenheiten anzupassen. Nach fast zehn Jahren Dental Barometer mit verschiedenen äußerlichen Veränderungen war es an der Zeit sich aus dem „Überangebot“ an Fachzeitschriften in Deutschland hervorzuheben. Die Zahnmedizin wird immer ästhetischer, weil auch der Anspruch der Patienten dahingehend wächst. Ebenso ist es bei der Zahnärzteschaft. Diese honoriert hochwertige und ansprechende Produkte und Dienstleistungen. Mit diesen Erkenntnissen und der Tatsache, dass es Zeit für eine Veränderung war, wurde dann dieses Facelift durchgeführt und das Feedback sowohl seitens der Leserschaft als auch der Industrie hat uns bestätigt, dass wir die richtige Entscheidung getroffen haben.

 

HCG: Das Magazin wird seit dem Relaunch auf einem anderen Papier gedruckt. Welche Kriterien musste das neue Papier für Sie erfüllen? Und auf welches Papier fiel die Wahl schlussendlich?

 

Uwe Bräutigam: Bei der Wahl des Papieres mussten zwei Anforderungen erfüllt werden. Erstens sollte es haptisch hochwertiger wirken, deswegen der Umschlag 300 g/m² Papier und das Innenpapier 115 g/m² Papier. Und zweitens musste das Innenpapier die Bilder und Grafiken besser zur Geltung bringen. Deswegen haben wir uns auf ein fast holzfreies, matt gestrichenes Innenpapier festgelegt.

 

HCG: Wie ging die Papierauswahl vonstatten? Wurden Sie beraten, gab es evtl. auch Testdrucke?

 

Uwe Bräutigam: Die Auswahl basierte vornehmlich auf Erfahrungen mit solchen Papiersorten, persönlicher Beratung und natürlich auch Testdrucken.

 

HCG: Welche Vor- und Nachteile haben sich beim neuen Papier im Vergleich zum alten Papier ergeben?

 

Uwe Bräutigam: Das Magazin ist qualitativ hochwertiger, hat dadurch eine höhere Wertigkeit und es wurde teilweise sogar als neues Magazin nach diesen Veränderungen wahrgenommen. Der Nachteil ist das höhere Gewicht und die dadurch gestiegenen Kosten, sowohl in Produktion als auch beim Versand.

 

HCG: Wie haben Ihre Leser und Werbekunden auf das neue Layout reagiert?

 

Uwe Bräutigam: Durchweg positiv. Wir erhielten viel positives Feedback von unserer Leserschaft und den Werbekunden.

 

HCG: Glauben Sie, dass Werbekunden bereit sind höhere Anzeigenpreise zu bezahlen, wenn ein Magazin auf höher wertigem Papier gedruckt wird? Schließlich müssen evtl. höhere Produktionskosten irgendwo wieder reinkommen. Wie sehen Sie das, was sind da Ihre Erfahrungen?

 

Uwe Bräutigam: Grundsätzlich ist es schwer bei den Anzeigenkunden höhere Preise zu erzielen. Dafür gibt es einen zu großen Wettbewerb in diesem Segment und auch die verfügbaren Budgets der werbetreibenden Industrie werden eher kleiner. Bessere Preise erzielt man über eine höhere Verbreitung und diese muss sich nach so einem Redesign erst etablieren und vor allem nachweisbar sein.

 

HCG: Ab 2018 wechseln Sie von einem 115-Gramm-Papier auf ein 100-Gramm-Papier für den Innenteil. Warum das?

 

Uwe Bräutigam: Ab 2018 wechseln wir tatsächlich auf ein anderes Papier, was aber lediglich der Kostenersparnis dient. Zudem verringern wir das Format des Titels geringfügig, was sich jedoch im Layout und den Umfängen der Inhalte nicht bemerkbar machen wird. Durch diese Maßnahme und den Wechsel zu einer anderen deutschen Druckerei können wir die Produktions- und Versandkosten im vierstelligen Bereich je Ausgabe senken und werden dadurch den sich ändernden Gegebenheiten bei den meist stetig sinkenden Budgets gerecht.

 

HCG: Vielen Dank für das Gespräch, Herr Bräutigam.

Uwe Bräutigam

ÜBER DEN BAROMETER VERLAG

Seit 2006 erscheint das „Dental Barometer“ – Die Fachzeitschrift für Zahnmedizin und Zahntechnik – regelmäßig deutschlandweit und berichtet mit praxisnahen Fallberichten über alle Teilbereiche der Zahnheilkunde und Zahntechnik. Mit einer IVW-geprüften Auflage von 41.000 Exemplaren ist es einer der auflagenstärksten zahnmedizinischen Fachtitel Deutschlands.

PERSÖNLICHER ERFAHRUNGSBERICHT

 

Im Sommer 2017 wurde das größte Transportmagazin Österreichs (Blickpunkt LKW & BUS) einem Relaunch unterzogen, für den ich die Creative Direction und die gesamte Grafik übernahm. Im Zuge dessen machte es natürlich Sinn, alle Themengliederungen sowie Struktur und Bildsprache der Zeitschrift grundsätzlich zu überdenken. Dazu gehörte auch die Papierauswahl.

 

Bisher wurde das Magazin immer auf matt gestrichenem Papier gedruckt. Um eine hochwertigere Haptik zu ermöglichen, gab ich Testdrucke auf zwei unterschiedlichen Naturpapieren (= ungestrichen) in Auftrag: Claro Bulk 90 g bzw. Amber Graphic 90 g. Die 90er Grammatur entsprach dem bisherigen Papier, sodass eine Portokostenerhöhung von vornherein ausgeschlossen werden konnte.

 

Naturpapiere haben die Eigenschaft, dass Bilder teilweise dünkler aussehen als auf gestrichenem Papier, da die rauhen, „offenen“ Fasern des Papiers naturgemäß mehr Farbe aufsaugen als das gestrichene Papier. Dies bedeutet allerdings auch, dass ein längerer Trocknungsprozess in Kauf genommen werden muss, was die Produktionszeit etwas verlängert und evtl. zu Zwischenlagerungskosten seitens der Druckerei führen kann.

 

Die Testdrucke ergaben, dass beide Naturpapiere die Fotos leicht körnig bzw. „wolkig“ machten:

bisheriges Papier,

matt gestrichen

Amber Graphic,

Naturpapier

Claro Bulk, 

Naturpapier

 

(Man erkennt hier einen leichten Creme-Stich in der Papierfarbe.)

Dies ist für die Werbeindustrie in dieser Branche ein Minuspunkt, Inserate müssen in einwandfreier Farb- und Bildqualität wiedergegeben werden. Aus diesem Grund fiel die Entscheidung leicht, das bisherige, matt gestrichene 90-g-Papier beizubehalten.

Sie können sich dieses Thema auch als kostenloses Whitepaper herunterladen.

Ein wichtiges Designelement, wenn auf Papier gedruckt wird, ist übrigens der Weißraum. Mehr dazu finden Sie in meinem Artikel über "Weißraum in der Mediengestaltung".

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